WAS EINE AUSFAHRT KOSTET
Zwanzig Jahre Fußball. Fünfmal die Woche.
Das war kein Training. Das war die Woche. Einheiten unter der Woche, am Wochenende das Spiel, dazwischen alles, was dazugehört. Ein Team, das auf dich zählt.
Dann kam der Triathlon, weil es logisch schien. Wer lange kann, kann noch länger.
Vier bis sechs Stunden auf dem Rad. Und ich sage das ohne jede Ironie: Ich habe es geliebt. Früh los, die ersten Stunden gehen von selbst, irgendwann denkst du nichts mehr. Es gibt wenig, das mir seither so gut getan hat.
Heute habe ich ein zweimal operiertes Knie und einen Rücken, der sich meldet, wenn ich zu lange sitze.
Zwei Sachen sind weg. Nur eine davon hat mir der Körper genommen.
Wandern ist die eine. Bergauf geht noch gut. Bergab meldet sich das Knie nach einer halben Stunde, und dann meldet es sich am nächsten Tag noch einmal. Das hat mir niemand weggenommen. Das ist einfach so, und es wird nicht besser.
Das Rad ist die andere, und da liegt die Sache völlig anders. Radfahren ist genau das, was einem nach zwei Knieoperationen empfohlen wird. Kein Aufprall, geführte Bewegung, das Gelenk mag es. Nach sechs Stunden tut mir der Rücken weh und der Hintern sowieso, aber das ist nicht der Grund. Ich könnte morgen wieder fahren.
Ich mache es nicht, weil die Ausfahrt zu lange dauert. Also fällt sie aus. Nicht einmal, sondern immer, weil immer irgendetwas ist. Mit dreißig kostet eine Ausfahrt einen Vormittag. Mit über vierzig kostet sie den Vormittag und alles, was daran hängt.
Das Knie hat mir eine Grenze gesetzt. Die andere habe ich mir selbst gesetzt und nenne sie bis heute vernünftig.
Ich hatte meine Woche in Stunden geplant. Nicht in Wirkung. Neunzig Minuten waren ein guter Tag. Vierzig ein halber. Warum, hätte ich nicht sagen können. Die Dauer war das Maß, nicht das, was sie mit mir gemacht hat.
Wer nicht weiß, was am Ende dastehen soll, misst seinen Einsatz. Das ist die einzige Zahl, die man selbst kontrollieren kann.
Also zählt man Stunden und nennt es Disziplin. Solange alles nebeneinander Platz hat, fällt das nicht auf. Irgendwann hat es keinen Platz mehr, und dann fällt zuerst das weg, was am längsten dauert. Nicht das, was am wenigsten bringt.
Heute ist es ungefähr eine Stunde. Wie früher ein Lauf. Der Unterschied liegt nicht in der Zeit, sondern darin, was in dieser Stunde passiert. Zwei, drei Blöcke hintereinander, die einander bedingen, keiner davon länger als eine gute halbe Stunde. Was hart ist, hat sein Gegenstück im selben Termin. Was eng macht, wird an derselben Stelle wieder geöffnet.
Die langen Einheiten haben ihre eigene Wirkung, und die bekomme ich so nicht zurück. Was ich zurückbekomme, ist, dass die Stunde überhaupt stattfindet. Sechs Stunden am Stück verschiebt man, sobald der Tag eng wird. Eine Stunde aus kurzen Stücken nicht.
Angenehm ist es nicht, falls das jetzt so klingt. Beim Harten fluche ich jedes Mal. Beim Ruhigen brennt irgendwann etwas tief innen, von dem ich zwanzig Jahre lang nichts gewusst habe. Danach die Dusche, und ich stehe da und strahle. Das war nach sechs Stunden Rad genauso. Es ist dasselbe Gefühl. Es kostet nur nicht mehr den ganzen Tag.
Das lange Fahren fehlt mir trotzdem. Das gehört zur Wahrheit dazu.
Mir ist das alles nur aufgefallen, weil es an einer Stelle so weh getan hat, dass ich hinsehen musste. Ein Kalender speichert eine einzige Sache: Dauer. Von acht bis neun. Ganzer Tag. Es gibt keine Spalte für Wirkung. Und wenn es eng wird, streicht man nach Dauer.
Ich habe die sechs Stunden gestrichen, die mir am meisten gegeben haben, und die Termine behalten, die ich nicht einmal beschreiben könnte.
Wer seine Woche in Stunden plant, plant alles darin in Stunden. Der Körper ist nur die Stelle, an der es zuerst auffällt, weil er zurückmeldet. Ein Unternehmen meldet nichts zurück. Es lässt dich vierzehn Stunden dasitzen und sagt kein Wort dazu.
Ein müder Kopf arbeitet im System. Nie am System.